Marten - Ein Schuljahr in New/Nouveau Brunswick

Hallo, ich heiße Marten!
Ich verbringe mein Auslandsjahres in New/Nouveau Brunswick, Kanada.
Zu Beginn möchte ich erwähnen, wie zufrieden ich mit meinem Auslandsjahr bin. Meine Gastfamilie ist sehr nett und typisch kanadisch. Ich lebe mit einem kanadischen Gastbruder meines Alters, seinen Eltern, einem weiteren Austauschschüler und Hobbs, dem Hund zusammen.

Durch die anderen Schüler habe ich auch kulturell einen sehr abwechslungsreichen Aufenthalt. Im ersten Halbjahr war der andere Austauschschüler ein Kolumbianer und jetzt ist es ein Türke. Ich bin sehr zufrieden, da ich mir im Voraus gewünscht hatte Geschwister und ein Haustier zu haben.

Allgemein sind die Kanadier total freundlich. Wenn man zum Beispiel irgendwohin möchte, dann gibt es meistens keine öffentlichen Verkehrsmittel und man fragt andere ältere Schüler oder die Eltern. Hier ist es selbstverständlich, dass diese dich dann überall hinfahren. Ich empfehle jedem dies zu nutzen, da es hilft auch um mit Leuten ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Allgemein ist es sehr einfach hier neue Freunde zu finden oder einfach nur Leute kennen zu lernen, da die meisten Menschen hier sehr gesprächig und interessiert sind.

Bevor ich das Jahr begonnen habe, hatte ich mir als Ziel gesetzt mein Englisch und Französisch zu verbessern. Zu Beginn habe ich mich auch gefreut, weil ich in einer englisch-französisch bilingualen Kleinstadt gelandet bin. Das hat sich aber schnell gelegt: In der Öffentlichkeit spricht hier keiner verständliches Französisch. Alle sprechen Chaque, einen Mix aus 100-Jahre-altem französisch mit Akzent und Englisch. Trotzdem, in der Schule sprechen alle parisisches Französisch und man kann Kurse auf Englisch oder Französisch wählen. Insofern lerne ich ein bisschen und spreche zumindest regelmäßig Französisch. Um meine eigentliche Erwartung, viel mehr Französisch zu lernen, zu erfüllen, müsste man dann wahrscheinlich in ein pur französischsprachiges Gebiet gehen.

Im Frühjahr sind wir als Familie für eine Woche nach Quebec gefahren. Ich musste zwar meinen Anteil an den Hotel- und Reisekosten bezahlen, es war es aber auf jeden Fall wert. Wenn ich nicht hätte mitkommen wollen, hätte ich für die Zeit aber auch bei Freunden übernachten können. In der Woche war der berühmte Winterkarneval von Quebec auf dem wir kanadische Sachen, wie Hundeschlitten fahren, Biberschwänze essen oder im halbgefrorenen Sankt-Laurence Strom schwimmen, gemacht haben.

Die Organisation hier vor Ort ist sehr engagiert. Wir machen fast jedes Wochenende einen Ausflug. Wir haben zum Beispiel Curling ausprobiert, sind zu einem „Sugar House“, der Platz an dem Ahornsirup hergestellt wird, gegangen, waren Ski fahren, spielen Bowling, besuchen Universtäten und andere Sehenswürdigkeiten. Ich finde die Treffen interessant, da man die anderen Schüler und die Kulturen ihrer Länder kennenlernt. Insgesamt sind wir auf meiner Schule circa 30 Schüler aus 14 Ländern. Obwohl ich selbst keine Probleme hatte, weiß ich von anderen Schülern, dass die Organisation gut zwischen den Familien und Schülern vermittelt, und im Notfall immer schnell andere Familien gefunden hat.

In der Schule habe ich zuerst „Cross-Country Running“ ausprobiert und spiele jetzt Rugby. Außerdem habe ich Schach gespielt und war im „Debating Club“. Da man hier, anders als in Deutschland, einen Sport nur für zwei bis drei Monaten spielt, bis die Saison vorbei ist, kann man viele verschiedene Dinge ausprobieren. Anfangs habe ich mich nicht getraut die Lehrer, Coaches oder Spieler anzusprechen, was man aber tun muss, um in ein Team zu kommen. Hinterher habe ich mich über jede AG und jeden Sport gefreut, an dem ich teilnehmen konnte. Es ist wichtig in AGs und Mannschaften zu sein, da man in ihnen sehr einfach und schnell Freunde findet.

Ich musste mich in den ersten Wochen etwas zwingen nicht alles schlecht zu finden, nur weil es anders ist als in Deutschland. Es hat etwas gedauert sich mit den Merkwürdigkeiten, wie das überall Flaggen hängen, abzufinden, aber mittlerweile denke ich mir, dass solche Dinge interessant sind und ich es ja nicht selbst dahinterstehen muss. Wahrscheinlich passe ich mich auch unbewusst an viele Dinge an und finde es dann, wenn ich zurück in Deutschland bin, ganz komisch.

Insgesamt glaube ich das ich hier meine Sprachkenntnisse verbessere und eine andere Perspektive auf das Leben in Deutschland und der Welt entwickele. Alles in allem kann ich ein Auslandsjahr jedem empfehlen, es ist eine super Erfahrung, die man gemacht haben sollte!