Alexandra - Ein Schulhalbjahr in Spanien

Hallo zusammen,

ich bin Alexandra und wohne jetzt schon gute 2 Monate in Spanien. Genauer gesagt in Sant Cugat, einer Vorstadt von Barcelona.

Barcelona liegt in der Comunidad Autónoma „Catalunya“. Eine weitere Sprache, neben dem Castellano, ist Katalan. Deshalb wird in fast allen Schulen auf Katalan unterrichtet. Bei mir zu Hause wird normalerweise auch Katalan gesprochen; mit mir aber im normalen Castellano. Mittlerweile ist Katalan für mich aber kein allzu großes Problem mehr.

Meine Gastfamilie besteht aus 4 Brüdern (10, 15, 20, 23 Jahre alt)  und einem Elternpaar. Mit den Jungs komme ich gut zurecht. Ich finde es schön einen kleinen Bruder zu haben, da ich in Deutschland nur einen großen Bruder habe. Er ist aufgeschlossen und plappert einfach drauf los, wenn ich ihn etwas frage und er versucht mir alles einfach zu erklären. Die Eltern sind auch super lieb und mit der Mutter kann ich immer reden, sobald es ein Problem gibt. Sie kümmert sich auch immer um mich, wenn ich z.B. krank bin.

Generell muss ich aber sagen, dass ich nach einer Schulwoche ganz schön kaputt bin. Ich verlasse das Haus jeden Tag um 6:30 Uhr und komme erst um 18:30 Uhr  nach Hause. Meine Schule ist nämlich in Barcelona und ich brauche mit Zug und Metro circa 1,5 Stunden. Für mich ist das alles sehr anstrengend und ich freue mich schon immer auf das Wochenende. Trotzdem gehe ich hier gerne zur Schule, weil sie einfach (mehr oder weniger) perfekt ist. Man hat ein ganz anderes Verhältnis zu seinen Klassenkameraden und Lehrern. Ich wurde vom 1. Tag sofort integriert und aufgenommen und das ist jetzt auch noch so. Keine Minute vergeht ohne ein kleines interessantes Gespräch unter spanischen Jugendlichen. Zudem ist die Schule sehr klein und deshalb kennt jeder jeden. Die Lehrer helfen mir in vielen Dingen und ich bekomme regelmäßig Aufgaben, um mein Spanisch zu verbessern. Man kann mit ihnen auch über alles reden, ganz anders als in Deutschland. Man sieht die Lehrer zwar als Respektsperson, aber eher auf freundschaftlicher Basis. Das gefällt mir sehr gut, weil alles irgendwie viel lockerer ist.

Mir wurde immer gesagt, dass die Spanier ein aufgeschlossenes Völkchen sind und so ist es tatsächlich auch. Zum Beispiel habe ich gleich in der zweiten Schulwoche die Eltern von einem Mitschüler kennengelernt. Diese haben mich dann gleich zum Essen eingeladen und meinten, dass ich auch einmal übernachten könnte, wenn ich abends einmal länger in Barcelona bleiben möchte. Oder als ich „meine Großeltern" kennengelernt habe. Sie haben mir gleich das ganze Haus gezeigt und mir ihre Hobbys vorgestellt. Der Opa baut Modelschiffe und die Oma kann ganz toll zeichnen. Man wird einfach überall freundlich begrüßt und mit offenen Armen aufgenommen.
An den Wochenenden kann ich richtig ausspannen oder viel unternehmen. Da mein Gastvater samstags arbeiten muss, sind wir bis jetzt immer zu Hause geblieben. Deswegen mache ich samstags mein eigenes Ding. Ich komme zwar mit meinen Mitschülern gut klar und habe einige Freunde gefunden, aber unser Verhältnis ist noch nicht so, dass wir uns am Wochenende treffen.

Deswegen treffe ich mich meist mit einem Jungen, der auch einen 5-monatigen Aufenthalt macht. Wir fahren dann zusammen in die Innenstadt und laufen durch die Gegend, gucken uns Sehenswürdigkeiten an oder relaxen auf einem der großen Plätze. Sonntag ist Familientag. Dann muss mein  Gastvater nicht arbeiten und wir machen etwas zusammen.

Ich genieße mein spanisches Leben in vollen Zügen und der Aufenthalt hat mir bis jetzt schon einiges gebracht. Klar, mein Spanisch hat sich verbessert, aber ich denke, dass ich viel offener gegenüber anderen bin. Man entwickelt sich einfach weiter und wächst an seinen Aufgaben. Dabei ist es natürlich auch normal, wenn man zwischendurch etwas Heimweh hat. Aber die tollen Erlebnisse und Erfahrungen, die man sammeln kann, überwiegen am Ende die Sehnsucht nach Hause!