Elena - Ein Schulhalbjahr in British Columbia

Hallo ihr Lieben,

hier ist mein Erfahrungsbericht über mein halbes Jahr in Kanada.

Lasst mich damit beginnen zu sagen, dass ich zuerst gar nicht nach Kanada wollte, sondern in die USA. Nach langen Vorbereitungen, hieß es auf eine Gastfamilie warten und warten und nochmals warten. Bis es dann Ende August hieß, es gibt leider keine Familie für mich. Für mich hieß es dann erst mal schnellstmöglich zu überlegen, lass ich es ganz bleiben oder lass ich mir diese Möglichkeit nicht nehmen und gehe einfach woanders hin. Nachdem diese Frage ganz schnell geklärt war, blieb nur noch die Frage offen, wohin? Mir schwirrte dann die ganze Zeit Indien im Kopf und Kanada kam dann dazu wegen der Ähnlichkeit mit den USA.

Also hieß es erst mal, ich gehe nach Indien. Nachdem mir dann die Unterlagen zugeschickt wurden, die ich ausfüllen sollte, wurde mir klar, dass ich mich schon so auf High School, Gastfamilie und generell auf Amerika eingestellt hatte, dass Indien dann doch irgendwie ein zu krasser Unterschied wäre. Also nochmal bei CAMPS (jetzt bestimmt zum 10ten Mal an einem Tag) angerufen und von meiner Änderung erzählt. Dies war jedoch gar kein Problem, alle waren sehr lieb und unterstützten mich mit meinen verwirrenden Entscheidungen.

Jedenfalls hatte ich dann innerhalb 2 oder 3 Tagen meine Familie bekommen und direkt ein Flugangebot bekommen. Es sollte also dann endlich in 5 Tagen losgehen.

Auf dem Flug habe ich dann erst realisiert, wie lange ich mich auf diese Monate vorbereitet hatte und dass es jetzt wirklich soweit ist. Ich war soooo unendlich aufgeregt, zumal ich noch nicht viel Kontakt mit meiner Gastfamilie hatte, weil wir uns ja erst seit ungefähr einer Woche kannten.

Nach 2 Flügen, die ich gemeistert habe (worauf ich immer noch sehr stolz bin), kam ich dann in Victoria, auf Vancouver Island an. Meine Gastfamilie holte mich ab und für uns beide war es eine total neue Erfahrung, da ich ihre erste Gastschülerin war. Ich kam an einem Sonntag an und am Montag ging es direkt mit der „Crash-Orientation“ weiter (da ich schon 2 Wochen zu spät für die Schule war), die dann einen Tag anstatt einer ganzen Woche lang war. Mir wurde es am Anfang wirklich nicht langweilig.

Dienstag ging es dann gleich in die Schule und ich war so froh, dass ich ein paar Gesichter von der Orientation wiedererkannte, mit denen ich an meinen ersten Tagen auch immer Lunch gegessen habe und generell geredet habe. Hauptsächlich waren es nur andere internationale Schüler mit denen ich zu tun hatte. An meiner Schule waren neben mir ungefähr noch 40-50 andere Schüler aus der ganzen Welt, die nicht aus Kanada kamen. Nachdem mit meinen Kursen in der Schule alles geregelt war und ich mich immer mehr einlebte, bin ich dem Schwimmclub beigetreten, um auch mit ein paar Kanadiern in Kontakt zu kommen. Mit meiner Familie habe ich mich übrigens von Anfang an super verstanden und ich denke immer noch, dass es die beste Familie war, die ich bekommen konnte. Es war halt einfach Schicksal, dass sie mich (nachdem sie eigentlich gar keinen Schüler bekommen sollten) bekommen haben. :-)

Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen so eine Erfahrung zu machen und die Chance zu nutzen, wenn man sie geboten bekommt. Man lernt auf jeden Fall viel fürs Leben und wird (so wie ich es empfand) viel selbstständiger. Wenn ich nur mal an meine beiden Flüge denke, wie aufgeregt ich auf meinem Hinflug war und wie locker ich mal eben meinen Heimflug mit Umsteigen genommen habe.

Ich muss sagen, ich persönlich habe fast nur andere 'Internationals' kennengelernt und fast gar nichts mit Kanadiern (außer meiner Gastfamilie) zu tun gehabt. Ich denke jedoch nicht, dass die Kanadier unfreundliche Menschen sind, die an dir kein Interesse haben. Jedoch wird es schwer bei 40-50 anderen „besonderen Schülern“ aufzufallen und Freundschaften zu schließen, nachdem die Kanadier schon so oft erfahren haben, wie es ist, wenn man kommt und ein halbes Jahr später wieder geht. Am Anfang hat mich das runtergezogen, aber wenn ich mir jetzt überlege, wo ich alles hinfliegen kann, um Freunde zu besuchen... Da komm ich nicht nur nach Kanada sondern fast um die ganze Welt. :-)

Highlights waren für mich mein erstes Icehocky-Game, eine Whale Watching Tour, das Fahren in einem amerikanischem Schoolbus zu einem Schwimmturnier und Thanksgiving zu feiern. Außerdem haben mir Halloween und mein Geburtstag, an dem ich den coolsten Geburtstagskuchen bekommen habe und Lasertag spielen war, besonders gut gefallen.

Klar hatte ich auch meine Tiefpunkte, z. B. dass ich frustriert war, weil ich keine Kanadier kennenlernte und dann kam noch das Heimweh am Anfang dazu, das sich aber nach schon einem Monat ganz abgeschaltet hatte.

Also ich kann nur nochmal sagen, dass ihr diese Möglichkeit und auch Herausforderung annehmen solltet, weil ihr einfach so viel fürs Leben lernt, euer Englisch sich auf jeden Fall verbessert (auch wenn ihr nur mit Internationals zu tun habt) und ihr auch lernt mit jeglichen Situationen umzugehen und lernt, manchmal einfach das Beste draus zu machen. So eine Erfahrung kann euch keiner mehr nehmen!