Julia - Ein Schuljahr in Irland

Mein Name ist Julia Stärk, ich bin 16 Jahre alt und verbringe zurzeit für neun Monate mein Leben in Irland. Ich wohne in Killorglin, einer kleinen, typisch irischen Stadt im County Kerry. Meine Familie besteht aus meiner Gastmutter, meinem Gastvater, meinem älteren Gastbruder, meinen beiden älteren Gastschwestern, meiner kleinen Gastschwester und meinem kleinen Gastbruder. Außerdem habe ich noch eine 16-jährige Gastschwester aus der Slowakei. Insgesamt sind wir also neun Leute, aber da drei Familienmitglieder unter der Woche, bedingt durch ihre Arbeit und ihr Studium, nicht zuhause wohnen, ist es in der Woche relativ ruhig. Am Wochenende ist dafür umso mehr los und einem wird nie langweilig.

Als vor vier Monaten, im August, meine Reise begonnen hat, habe ich zuerst drei Tage an den „Orientation Days“ in Dublin teilgenommen. Diese drei Tage waren die perfekte Möglichkeit für mich, Dublin schon einmal kennenzulernen und sanft mein Auslandsjahr zu starten. Ich bin also nicht direkt ins kalte Wasser gesprungen, sondern hatte noch einmal die Möglichkeit, mich mit den anderen Schülern auszutauschen und alle Fragen zu stellen, die ich noch hatte.

Als ich dann in meiner Gastfamilie angekommen war, war für mich erst einmal alles neu. Die Menschen, das Haus und vor allem die Sprache. Ich musste oft nachfragen, ob sie langsamer reden könnten oder ob sie den Satz nochmal wiederholen könnten. Aber nur so lernt man es ja und so wurde mein Englisch auch von Tag zu Tag besser und ich musste diese Fragen bald fast gar nicht mehr stellen.

Ich habe mich in der Familie direkt wohlgefühlt und verstehe mich mit ihnen super. Wir unternehmen viele Ausflüge zusammen oder gehen einfach nur spazieren, was aber jedes Mal wieder ein Erlebnis ist, da die Natur hier einfach traumhaft schön und typisch irisch ist, so wie man sich die grüne Insel immer vorstellt.

An den Wochenenden fahren wir dann oft mit Freunden nach Killarney, was aber immer relativ teuer ist, weil ein Busticket dann schnell mal 10€ kostet. Dort kann man dann aber relativ gut shoppen gehen oder sich seine Zeit im Killarney National Park vertreiben.

In der Woche habe ich für diese Aktivitäten leider nicht wirklich Zeit, da ich zur Schule gehe. Ich besuche das 4th year (10. Klasse) der Intermediate School Killorglin. Die Schule geht von 9:00 Uhr bis 15:40 Uhr, was bedeutet, dass ich jeden Morgen bis 8:00 Uhr schlafen kann und das ist absoluter Luxus im Gegensatz zu Deutschland! Außerdem trage ich jeden Tag meine Schuluniform, bestehend aus einem karierten Rock und einem grauen Pullover. Es sieht zwar nicht so schön aus, aber durch diese Uniform fühlt man sich direkt als Teil der Schule und man muss morgens nicht lange überlegen, was man denn heute anziehen könnte.

Freunde zu finden, muss ich ehrlich sagen, ist nicht ganz einfach. Die Schüler in der Schule waren von Anfang an sehr nett und aufgeschlossen, aber man hat schnell gemerkt, dass das nur das anfängliche Interesse war. Um wirkliche Freunde zu finden, muss man den Mut haben auf andere Leute zuzugehen und mit ihnen zu reden. Außerdem vereinfacht es das Freunde finden, wenn man an freiwilligen Aktivitäten der Schule teilnimmt. Ich nehme zum Beispiel an der „School Show“ und „Gaisce“ teil. Gaisce ist ein einjähriger, irischer Wettbewerb vom Präsidenten Irlands aus, in dem es darum geht, seine eigene Persönlichkeit und Stärke auszubauen und sich selber zu fordern und weiterzuentwickeln. Deshalb war ich nun für ein halbes Schuljahr einmal die Woche für zwei Schulstunden Kanu fahren. Für das nächste halbe Jahr werde ich dann jeden Montag für zwei Schulstunden einen erste Hilfe Kurs haben.

Insgesamt war mein erstes halbes Jahr hier in Irland wunderschön und ich habe schon viele tolle Erfahrungen gesammelt und tolle Leute kennengelernt. Jetzt freue ich mich auf die verbleibenden Monate und versuche, mein neues Leben hier weiter aufzubauen und weitere unvergessliche Eindrücke zu gewinnen.