Linn - Ein Schuljahr in New Hampshire

“Ladies and Gentlemen! We will be arriving in Boston shortly…”

Diese Worte ließen mich endgültig realisieren, dass mein Abenteuer begonnen hatte. Schon als kleines Kind hatte ich davon geträumt die Welt zu sehen.

Und da fand ich mich im Flugzeug auf dem Weg in die USA wieder. Auf in mein großes Abenteuer. 

Meine Gastfamilie empfing mich am Flughafen in Boston mit Blumen, Ballons und einen großen Willkommensschild und löste damit die erste Nervosität. Wie auch damals die ersten Europäer landete ich in New England, eine Ansammlung kleiner Staaten an der Ostküste. Die Kleinstadt Claremont in New Hampshire wurde mein zweites Zuhause.

Die ersten drei Monate von meinem Austauschjahr waren wie ein Traum. So viele neue Erfahrungen und neue Menschen! Ich hatte unglaubliches Glück mit meiner Gastfamilie, bei der ich mich schon nach ein paar Tagen wie zu Hause fühlte. Für Jetlag oder eine Eingewöhnungsphase hatte ich gar keine Zeit und wurde gleich von einem Event zum Nächsten geführt. Nach zwei Wochen hatte ich meinen ersten Schultag überstanden, keine Problem mit Englisch mehr, war im Fußballteam und hatte ungefähr 100 neue Leute kennengelernt, von denen ich mich noch nicht mal an die Hälfte der Namen erinnern konnte. 

Ich führte plötzlich ein Leben wie aus dem “American Dream”, mit einem riesigen Haus am Fluss, Swimming Pool, eigenem Zimmer und Badezimmer. Das übertraf meine Erwartungen- Ich hatte zwei ältere Gastschwestern, die aber beide schon ausgezogen waren. Ich war es vorher gewohnt gewesen, immer die Älteste in meiner Familie zu sein, und hier war ich dann auf einmal das Küken der Familie. Es war sehr schön, dass ich eine norwegische Austauschschülerin kennenlernte, mit der ich mich über die neuen Erfahrungen austauschen konnte.

Der "School Spirit" wird hier an jeder Schule ziemlich großgeschrieben. Jede Schule hat ihre eigene Farben, ein Logo, Maskottchen und verschiedene Sportteams. Footballspiele sind die größten Veranstaltungen. Die High School hatte außerdem andere Traditionen als meine gewohnte Schule zu Hause. Ich musste mich am Anfang erst einmal daran gewöhnen, jeden Morgen einen Treueschwur, “The Pledge of Alligance“, an die US-Flagge zu richten. Nach einer Weile gewöhnte ich mich aber auch an die verschiedenen Traditionen. 

Nach einer gewissen Zeit ist mein Leben dann wieder „normal“ geworden. Ich war nicht mehr die Neue in der Schule und gewöhnte mich an den Alltag. Es gab natürlich auch Phasen, in denen ich mich etwas einsam gefühlt habe. Dann habe ich mir gewünscht, dass ich bekannte Gesichter sehen kann. Nach einigen Wochen hatte ich dann aber einen festen Freundeskreis gefunden und fühlte mich sehr wohl in der Schule.

Im November nahm mich meine Gastfamilie mit nach Florida. Im Sonnenstaat habe ich das erste Mal Delfine gesehen, bin auf eine Alligator-Safari gegangen und habe am Miami Beach gelegen. Nach einem schönen Urlaub habe ich mich dann aber auch schon wieder auf das mit Schnee bedeckte New Hampshire gefreut. Besonders weil ich schon zwei Wochen später einen Trip nach New York vor mir hatte. Die Traumstadt war laut, stinkend und überfüllt, aber gleichzeitig auch riesig und beeindruckend. Nach diesem Kurztrip stand dann auch schon Weihnachten vor der Tür und damit kam auch das erste bisschen Heimweh. Zu meinem Geburtstag im Februar nahm mich meine Gastfamilie dann noch einmal mit nach Florida, und auch diesmal war es wieder ein wunderschöner Urlaub.

Ich habe jetzt noch etwa drei Monate vor mir, bis ich meine Koffer packen muss und wieder am Bostoner Flughafen stehen werde. Davor habe ich Graduation und den großen Prom vor mir. Dieses Jahr ist viel mehr als ein Austausch geworden - ich habe ein zweites Zuhause und eine zweite Familie gefunden. Meine Gastfamilie bezeichnet mich schon längst als ihre Tochter und ich habe viele gute Freunde hier. Obwohl ich mich schon riesig auf Deutschland freue, macht es mich doch traurig zu wissen, dass mein Austauschjahr bald vorbei sein wird. Ich kann es gar nicht abwarten, bis ich meine eigene Familie nach New Hampshire bringen kann und sich meine beiden Familien endlich treffen können. Meine Gastfamilie hat außerdem geplant, mich in zwei Jahren zu meinem Abitur zu besuchen, worauf ich mich schon riesig freue. 

Die Zeit in Amerika hat mir geholfen, mich weiter zu entwickeln. Mit nur 16 Jahren habe ich die Chance bekommen, ein wenig die Welt zu entdecken und einzigartige Erlebnisse und Erfahrungen zu sammeln. 

Ich kann jedem nur empfehlen, ins Ausland zu gehen. Ich danke allen, die mir das wunderbare Jahr ermöglicht haben!