Lior - Ein Schuljahr in New York State

Eines stand schon immer in meinem Leben fest: eines Tages werde ich ein Auslandsjahr wie meine Geschwister machen. Sie haben immer davon geschwärmt, wie schön und aufregend die Zeit war, die sie im Ausland verbracht hatten. Also war nun die Hauptfrage: wohin soll es gehen und für wie lange? Alle Welten, Kulturen mit allen Sprachen standen offen vor mir. Also eines war sicher. Es sollte für ein Jahr sein, wie meine Schwester. Denn mein Bruder hat immer gesagt, dass das halbe Jahr zu kurz für ihn war. Er sagte immer, dass er schon wieder zurückfliegen musste als er sich gerade erst eingelebt hatte. Also entschied ich mich für ein Jahr, denn halbe Dinger gibt es bei mir nicht! Über diese Entscheidung bin ich wahnsinnig froh, denn die acht Monate, die ich jetzt schon hier bin, gingen viel zu schnell rum.

Nun war die Frage, wohin es gehen sollte. Ich entschied mich für die USA. Offen, freundlich, verrückt und voller lebensfreudiger Menschen soll es sein. Dazu kam dann auch noch die Sprache Englisch! Es konnte kaum perfekter sein.

Nachdem ich den Papierberg, den es auszufüllen gilt, bewältigt hatte, hieß es warten. Für eine lange, lange Zeit. Ich wartete bis Ende Juli bis ich eine Gastfamilie bekam. Schule hatte schon wieder angefangen und in Gedanken hatte ich schon mit dem Auslandsjahr abgeschlossen.

Nach langer Diskussion mit meinen Eltern entschied ich mich mein Auslandsjahr zu verschieben und meine Mutter rief bei CAMPS an. Ob Zufall oder nicht aber an dem Tag, als ich von der Schule nach Hause kam, erhielt ich den Anruf, dass ich eine Gastfamilie in New York State hätte.

Ich war voll aus dem Haus und jeder Gedanke an Verschiebung war vergessen.

Ich hatte fünf Tage Zeit mich von Familie und Freunden zu verabschieden, Gastgeschenke zu kaufen und die letzten Tage mit meiner Familie zu verbringen, wozu ich eigentlich nicht kam, denn diese fünf Tage waren nur noch stressig.

Am Ende kam es mir dann wie 24 Stunden vor und der Tag war gekommen, an dem ich das erste Mal in die USA fliegen würde. Ich war ein bischen aufgeregt. Das erste Mal weg von zuhause für ein Jahr. Eine ganz schön lange Zeit und das an einem Ort, wo ich niemanden kenne.

Meine Gastmutter und Gastschwestern holten mich vom Flughafen ab. Sie empfingen mich ganz herzlich und offen und fingen sofort an mich auszufragen. Am selben Abend lernte ich dann auch meinen Gastbruder und meinen Gastvater beim amerikanischen Barbecue kennen, wo ich fast einschlief, weil ich so müde war. Alle waren sehr neugierig und wollten alles wissen. Sie blieben stets sehr freundlich und herzlich und ich fühlte mich sofort wie zuhause. Mein erster Eindruck von den USA übrigens: alles war größer als zuhause in Deutschland! Autos, Supermärkte, Straßen und Häuser. Einfach alles!

Ich hatte noch zwei Wochen Zeit mich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Einen Kulturschock gab es übrigens nicht. Am Anfang schien alles doch sehr gleich, aber glaubt mir, es gibt eine Menge kulturelle Unterschiede. Die Sprache war gar nicht so schlimm und man fand sich schnell rein.

Nach zwei Wochen ging es dann endlich in die Schule! Ich war ganz aufgeregt, sogar ein bisschen ängstlich. Wie würden mich die ganzen fremden Menschen aufnehmen? Der Schulbus holt mich seitdem direkt von der Haustür jeden Morgen um 7 Uhr ab. Schule beginnt um 7.20 Uhr und endet um 14.20 jeden Tag.

Letztendlich war der erste Schultag überhaupt kein Problem und jeder war super neugierig mich kennenzulernen, aber eigentlich wusste schon jeder, wer ich war. Alle waren super nett und interessiert und für einen kurzen Moment fühlst du dich berühmt.

Amerikaner sind sehr interessierte, offene, freundliche, hilfsbereite und familiäre Menschen. Sie wollen alles über dich wissen und fragen dich über alles aus. Von deiner Seite her solltest du offen für alles sein! Jeder möchte mehr von dir wissen! Erzähle ihnen von dir und deinem Land. Zeige ihnen auch deine Kultur, in der du lebst! Sie werden es lieben.

Schule in den USA ist etwas ganz anderes als in Deutschland. Sicherheit steht an erster Stelle, also sind Security, Drogenkontrollen und Hundestaffeln der Polizei in der Schule etwas völlig normales. Schule ist der Ort, wo du die meiste Zeit verbringst und jeder verkörpert sich selbst mit seiner Schule! Auch genannt "School Spirit". Jeder unterstützt seine Schule so gut wie es geht, feuert das Schulteam an und geht zu Sportturnieren mit Freunden, um die Schulmannschaft zu unterstützen. Man hat ein eher freundschaftliches Verhältnis zu den Lehrern, was ich sehr beeindruckend finde und mir so viel besser gefällt als in Deutschland. Unterstütze und arbeite für deine Schule und Mitschüler. Sport und Kultur sind das andere große Thema in der Schule! Geh und besuche einen Club oder ein Sport Team nach der Schule! Du wirst Freunde finden, neue Menschen und mehr von der amerikanischen Kultur erleben. Besuche den Drama Club, wenn du nicht der sportliche Typ bist oder selbst wenn du nicht so sportlich bist, ändere es und werde Teil eines Sport Teams, teil einer Mannschaft. Du verschaffst dir Respekt von Mitschülern und lernst neue Leute kennen. Das Beste, was dir passieren kann.

Über die Zeit hinweg hatte ich eigentlich überhaupt kein Heimweh, da es mir hier so gut ging und ich schnell viele Freunde über das Sport Team fand, in dem ich war.

Trotzdem hab ich mich riesig gefreut als meine Eltern mich besuchen kamen. Ich hatte eigentlich gar nicht gemerkt, wie sehr ich sie doch vermisst hatte. Mein Vater sagte etwas als er hier war. Er sagt, dass ich hier etwas Besonderes habe und erlebe. Etwas, was mir nie jemand anderes nehmen kann. Etwas, was nur mir gehört. Ein zweites Zuhause mit Freunden, die ich immer in Erinnerung behalten werde und einem Ort, an den ich immer zurückkehren kann. Diese Worte werde ich nie vergessen, denn sie sind wahr. Dieses Auslandsjahr gibt jedem diese Möglichkeit, sich sein zweites Zuhause zu schaffen und eins ist sicher: Ich werde wieder kommen.

Ich habe in der Zeit, in der ich hier bin, die besten Menschen kennengelernt. Die besten Freunde mit einem offenen Herzen. Menschen und Freunde, die ich nie vergessen werde, denn sie sind die, die mir all das hier ermöglicht haben. Also worauf wartest du? Hole dir dein eigenes zweites Zuhause. Deinen eigenen Ort in der Welt. Einen Ort, von dem du noch deinen Enkelkindern erzählen wirst. Verpasse nicht deine Chance deines Lebens. Es lohnt sich!

PS: Vielen dank noch einmal an alle von euch, dass ihr mir diese unglaubliche Jahr ermöglicht! Manchmal liege ich im Bett und mir kommen die Tränen, wenn Ich daran denke, dass Ich bald alle hier verlassen muss. Ihr habt mir hier die Zeit meines Lebens ermöglicht! Danke!