Marie-Louise - Ein Schulhalbjahr in Québec

Als ich im Flugzeug von Kanada nach Deutschland war, gingen mir viele Sachen durch den Kopf. Ich dachte an den Hinflug und schmunzelte, wie lächerlich doch im Nachhinein meine Ängste zu sein schienen. Ich hatte mir Sorgen gemacht über die Sprache, meine Familie, die Schule und ob ich auch Freunde finden würde. Ich war nervös gewesen. Als ich am Flughafen angekommen war, nahm mich meine Gastfamilie in Empfang. Sie waren von vornherein sehr freundlich und offen mit mir.

Jetzt, etwa ein halbes Jahr später, weinte ich bereits, dass ich nicht mehr bei ihnen war. Ich hatte sie sowie viele andere Leute dort so lieb gewonnen. Ich habe viel dort erlebt, war bei den Niagarafällen, Skifahren, was für mich eine komplett neue Erfahrung war, habe große Städte, wie Toronto, Québec und Montréal gesehen und nach und nach die Kultur der Québécois kennengelernt.

Auch mit der Sprache hatte ich nicht allzu große Probleme, auch wenn ich nicht so gut vorher war wie andere in der französischen Sprache. Sehr schnell nimmt man eine fremde Sprache an und nachher träumt man und denkt man auf dieser Sprache. Als ich das erste mal auf Französisch geträumt habe, war ich ein bisschen verwirrt und nicht ganz sicher, ob ich alles richtig verstanden habe, aber es war ein gutes Gefühl.

Ich bin glücklich, dass ich diese große, teilweise auch schwere Entscheidung getroffen habe. Ich habe so auch dort jetzt Kontakte und eine zweite Familie. Schon jetzt plane ich nach meinem Abitur wieder nach Kanada zu fliegen, diesmal dann aber für ein Jahr. Meine Gastfamilie hat mir auch sofort angeboten, dass ich jederzeit wieder bei ihnen wohnen kann.

Wenn du jetzt noch überlegst, ob du dir das zutraust, dann sag ich dir, was mir ein netter Mann gesagt hat, bevor ich geflogen bin. Er fragte mich, ob ich nervös sei, als ich daraufhin mit ja antwortete, meinte er: Dann bist du normal!